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ES IST AUFGETISCHT
Ein Blick auf die sinnenfreudige Ausstellung SUBKULINARIA in Köln ...
von alexandra schwanenbach
Der Verein Cultura 21, der sich zum Ziel gesetzt hat, einen Wandel zu fördern, der "den interkulturellen, sozialen und ökologischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht wird", zeigt in der Deutzer Brücke in Köln die Ausstellung SUBKULINARIA, in der verschiedene Künstler mit Fotografien, Installationen, Filmen und Performances ihre Sicht unserer Ernährungskultur zeigen.
Dennis Thies führt in seinem mit einer Nightvision-Kamera gefilmten 4-Minüter "Ravioli" eine Society-Dame vor, die sich dem heimlichen Genuß des Fertigessens direkt aus der Dose hingibt.
Cornel Wachter hat sich dem Tisch als kommunikatives Medium gewidmet. Wer genügend Humor hat, um ein Sandwich von Delhaize als "Brötchen mit Migrationshintergrund zu bezeichnen", kann uns sicher auch in seiner Kunst überraschen.
Alex Mora beschäftigt sich in seiner Installation "Comeback IV" zum wiederholten Male mit der Kartoffel (o.a. Erdapfel). Nach "El Manifiesto de la Papa", in dem die Kartoffel zurück in ihr Heimatland gebracht wurde, wird ihr hier, in der Mitte des Dunkels der Deutzer Brücke, ein Altar errichtet.
Claus Dieter Geissler ist nach Almeria gereist, um dort die Plastiklandschaften zu filmen und photographieren, in denen ein Großteil unseres Supermarktgemüses gezüchtet wird. In einem 360°-Ballhaus-Schwenk wird die ganze Tristesse dieses mittlerweile aus dem Weltraum sichtbaren Gebildes sichtbar. Schwarzweiß-Fotos zeigen die illegalen Arbeiter der Gemüsezelte, lassen aber ihre Gesichter verschwommen, um ihre Anonymität zu wahren.
Vom Beginn der Brücke in der Altstadt bis zu ihrem Ende auf der Deutzer Seite sind 35 Photographien von Davide Dutto aus seinem zusammen mit dem Foodjournalisten Michele Marziani verfaßten Buch "Il Gambero Nero" zu sehen, die den Alltag und vor allem Ernährungsalltag der Insassen des Gefängnisses in Fossano im Piemont zeigen. Kochen ist eigentlich in einem Gefängnis nicht erlaubt, nur das Erhitzen von Wasser in den Zellen, um z.B. Kaffee zu machen, aber die Wärter drücken gewohnheitsmäßig ein Auge zu. - Und es ist auch nicht so schwer zu verstehen, warum, denn schon die Zubereitung einfachster Gerichte sind durch ein Verbot von Messern äußerst zeitaufwendig. Das ist im Interesse der Wärter, die die Insassen beschäftigt wissen, und im Interesse der Gefangenen, für die die Zeit so schneller vergeht. (Als ich die kleinen Campingkocher auf den detailverliebten, kontrastreichen Photographien Duttos sah, fragte ich ihn, ob die Insassen die schnelle Küche bevorzugen, aber er schüttelte den Kopf, denn wenn es eines im Gefängnis gebe, dann Zeit ...)
Einer der Schwerpunkte dieser Arbeiten zeigt, wie sich die Männer zu helfen wissen, um nicht nur simple Gerichte herzustellen, sondern auch die Herausforderung von Pasta al Forno oder Pizza annehmen, und zwar ohne Ofen, stattdessen mit Hilfe eines alchemistisch anmutenden Apparates aus zwei Kochern, dampfendem Wasser und Stanniolpapier, bzw. zwei großen Pfannen.
Daß die Köche so stolz mit ihren Kochgeräten und ihren Gerichten posieren, liegt an der Vorarbeit Davide Duttos, der mit seiner Recherche quasi schon als Kind begann, als er auf dem Schulweg an genau diesem Gefängnis vorbei kam. Später gab er dort Photographiekurse. Im ersten Jahr konnte er selbst noch keine Photos von den Insassen nehmen, deren Vertrauen kam erst ab dem dritten Jahr. Im Anhang des Buches finden sich ausgewählte Rezepte, zum Großteil italienischen Ursprungs, aber auch arabische oder peruanische. Keines enthält Alkohol und kaum eines frischen Fisch (da es in den Zellen keinen Kühlschrank gibt, obwohl im Sommer manchmal der Wassertank der Toilettenspülung verwendet wird).
Für den Sommer werden Spaghetti alla Carrettiera empfohlen, ein Gericht, bei dem man sich "draußen fühlt, in einer anderen Welt":
Man nehme sieben reife rote Tomaten, brühe sie mit kochendem Wasser ab, häute sie und entferne die Samen, schneide sie in kleine Stücke und gebe sie in eine Schüssel. Dazu kommen vier Knoblauchzehen, in kleine Stücke geschnitten, reichlich Basilikum, Salz, geriebener Parmigiano sowie ein Glas Olivenöl. Man vermische alles mit einer Gabel bis sich die Zutaten gut verbinden. Mit diesem frischen Sugo die Spaghetti anrichten.
Davide Dutto wird sich in seiner photographischen Arbeit weiter den Themen Nahrung und Mensch widmen, bald auch im Rahmen eines eigenen Verlages. Als nächstes sind Projekte über verborgenen Küchen (in Klöstern z.B.) und zum Essen der Thunfisch-Fänger geplant.
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Il Gambero Rosso
Bilder: cultura 21 / warner
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